Vielen Dank für die Bereitschaft, dieses Interview zu führen. Zunächst eine Frage vorweg: lieber „Sie“ oder „Du“?

Gerne „per Du“, wir kennen uns schon eine Weile.

Okay Michael, danke. Du hast Dich entschieden, bei der Bürgerschaftswahl 2019 für die CDU anzutreten und kandidierst nun auf Listenplatz 26. Du warst bisher politisch nicht aktiv. Was ist deine Motivation?

Ja, ich bin sogenannter Quereinsteiger. Ich bin aber schon immer ein politischer Mensch gewesen und war Mitte der 80iger Jahre sogar mal stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler Union, damals übrigens auch schon aus der Unzufriedenheit mit der Bildungspolitik heraus. Ich habe die Entwicklung von Bremen über viele Jahre sehr genau beobachtet und immer wieder kritisch kommentiert. Vor circa eineinhalb Jahren ist in mir der Entschluss gereift, dass ich nicht nur kritisieren möchte, sondern dass ich aktiv meinen Beitrag leisten möchte, unsere eigentlich wunderschönen Städte Bremen und Bremerhaven besser zu machen. Unser Wahlslogan passt an der Stelle sehr gut: unser Bremen kann mehr! Das gilt es zu realisieren!

Michael, was stört Dich denn im Lande Bremen und an der Entwicklung und der Politik der letzten Jahre? Kannst Du Deine Kritik konkretisieren?

Nun, es sind die Themen, die die meisten Mitbürgerinnen und Mitbürger als schlecht gestaltet wahrnehmen. Ich bin Vater zweier Töchter. Mit der Bildungspolitik bin ich sehr unzufrieden. Als Verbesserungspotentiale möchte ich hier nur die wichtigsten nennen: Schreiben lernen nach Fibel und nicht „Lernen nach Hören“. Auch Noten gehören dazu, dass Kinder ihren Lernfortschritt einordnen und sich damit erfolgreich weiterentwickeln können. Und auch das Ausmaß des Unterrichtsaufalls sowie die mangelhafte personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen sind zu nennen.

Du bist also Bildungspolitiker?

Nein, aber das Thema Bildung wird immer mehr zum Standortfaktor. Es gelingt Bremer Unternehmen kaum noch, Fachkräfte von außerhalb zu gewinnen. Und der Mittelstand einschließlich des Handwerks klagt immer mehr über die mangelnde Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Rechtschreibung und Grundrechenarten werden unzureichend beherrscht. Ich bin in der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU engagiert. Da kommen diese Probleme laufend bei uns an. Und die Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie lässt insgesamt in unserem Land zu wünschen übrig. Als wichtige Aspekte seien hier die geringe Kapazität an Kinderbetreuungsangeboten und nicht praxisgerechte Öffnungszeiten genannt.

Michael, gibt es weitere Themen, die Dich im Alltag bewegen und stören?

Ja, auch in anderen Themen geht es mir nicht anders, als den meisten Menschen, mit denen ich spreche. Ich ärgere ich mich fast täglich über die ideologiegetriebene und Gesellschaftsgruppen gegeneinander ausspielende Verkehrspolitik. Die täglichen Staus in und um Bremen, der mangelhafte Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sind hier zu nennen. Es braucht aber einen sinnvollen Mix aus Verkehrsträgern wie Auto, Fahrrad und öffentlicher Nahverkehr und die bessere Unterstützung von Elektromobilität. Keiner der Verkehrsträger wurde in den letzten Jahren hinreichend gestaltet und entwickelt. So warte ich auf den Autobahnringschluss genauso wie auf die Premium-Fahrradrouten und den Ausbau von Straßenbahnlinien. Und marode Straßen und Brücken ergänzen das Bild.

Also setzt Du Dich zukünftig für eine andere und nachhaltigere Verkehrspolitik ein?

Ja, das ist ein Politikfeld, in dem ich mich engagieren möchte. Als gelernter Speditionskaufmann und ehemaliger Mitinhaber einer Seehafenspedition bringe ich einige Erfahrungen sowie als langjährig tätiger Berater zu Nachhaltigkeitsmanagement mit dem Teilbereich Umweltmanagement auch sicherlich einiges an strategischer Expertise mit. Die Verkehrspolitik ist operativ schon völlig unzureichend. Als besonders schlimm empfinde ich, dass die bisherige Landesregierung, die sich immer gerne als ökologisch handelnd darstellt, es nicht geschafft hat, eine Nachhaltigkeitsstrategie für unser Land zu entwickeln. Diese Strategie ist aber notwendig, um unser Land enkeltauglicher zu machen.

Was meinst Du denn mit „enkeltauglich“?

Damit meine ich eine wirklich nachhaltige, an anerkannten Nachhaltigkeitskriterien orientierte Politik und weniger eine kurzfristig orientierte „Showpolitik“. Maßstab sollte immer sein, dass wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen. Dazu gehört übrigens auch Ökonomie, denn auch nachfolgende Generationen brauchen Arbeitsplätze, um Einkommen für ihr Leben erwirtschaften zu können. Das wird in anderen Parteien manchmal vergessen. Daher fußt eine Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen auch immer auf drei Säulen, nämlich Ökonomie, Ökologie und Soziales und bringt diese Säulen zum Ausgleich. Das sollte so auch stärker auf die Politik und das Regieren im Lande Bremen übertragen werden. Dann wären wir nach meiner festen Überzeugung auch als Wirtschaftsstandort erfolgreicher.

Und das ist für Dich der Kern von Wirtschaftspolitik?

Das ist zumindest ein grundsätzliches Denkmuster, das für alle Bereiche der Politik gelten sollte, also auch für die Wirtschaftspolitik. Aber erfolgreiche Wirtschaftspolitik in Bremen hat auch viele pragmatische Aspekte wie z.B. eine größere Serviceorientierung – Ansiedlung großer Unternehmen ist auch Regierungsarbeit – eine vernünftige Flächenpolitik mit Reserveflächen und so weiter. Wie man in Bremen eine erfolgreichere Wirtschaftspolitik machen und umsetzen könnte, dazu hätte ich noch viele weitere Ideen. Das würde hier aber den Rahmen sprengen. Nur zwei Aspekte seinen kurz genannt: Bremens Image bzw. die Vermarktung des Standortes und die Haltung, mit der Wirtschaftspolitik betrieben wird sind unzureichend und müssen zeitnah geändert werden.

Michael, und sonst bist du mit der Bremer Politik zufrieden?

Nein, ich könnte noch viele Politikbereiche nennen, wie zum Beispiel das Thema innere Sicherheit, Sport- und Kultur, sozialer Ausgleich, Arbeitsmarktpolitik und so weiter, aber das sind keine echten Kompetenzbereiche von mir. Mein eigener Fokus liegt klar auf den Themen Wirtschaft, Finanzen, Umwelt und Verkehr sowie ressortübergreifend auf den Themen Nachhaltigkeit / Enkeltauglichkeit sowie der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die ich auch als Teil von Wirtschaftspolitik verstehe. Zudem ist mir ein anderer Politikstil wichtig.

Ein anderer Politikstil. Was meinst Du damit?

Damit meine ich, dass Politik in Bremen hinsichtlich zweier Aspekte deutliches Entwicklungspotenzial hat. Der erste Aspekt ist, dass Ziele klarer, messbarer und transparenter definiert werden – und dass dann auch Transparenz hergestellt wird. Warum können z.B. aktuelle Entwicklungen nicht am Haus der Bürgerschaft über interaktive Bildschirme dargestellt werden. Und zudem stört mich die mangelnde Umsetzungsgeschwindigkeit. Aus meiner Sicht werden oft fadenscheinige Begründungen herangezogen, wie notwendige Bürgerbeteiligung, öffentliches Vergabe- und Verfahrensrecht und so weiter. Ich frage mich dann, ob diese Rahmenbedingungen und Anforderungen in erfolgreicheren Regionen und Bundesländern in Deutschland nicht gelten. Die Antwort ist natürlich, dass die Rahmenbedingungen vergleichbar sind, dass aber die Entwicklung und Politik viel besser gemanagt werden. Und nicht mal die Bürgerbeteiligung funktioniert trotz der mangelnden Umsetzungsgeschwindigkeit. Das zeigt das Beispiel Galopprennbahn in der Vahr sehr deutlich.

Und wie soll das geändert werden?

Es fängt bei einer anderen Haltung und anderen Werten an. Im Mittelpunkt sollte der Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger stehen. Sofern divergierende Interessen da sind, sollten diese pragmatisch und im Dialog, aber auch mit einem modernen Managementansatz zum Ausgleich gebracht werden.

Und welchen Beitrag kannst Du konkret dazu leisten?

Ich bin als Berater von zahlreichen Unternehmen und Behörden daran gewöhnt, mich in kürzester Zeit in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten, zielgerichtet einen Nutzen für meine Kunden zu erbringen bzw. in definierten Projektzeiträumen Ziele zu erreichen. Dabei muss ich immer zahlreiche Menschen mit unterschiedlichen Interessen einbinden, um gemeinsam Erfolg zu haben. Das ist auch gelebte Vielfalt. Und gerade Vielfalt habe ich dabei fast immer als bereichernd und nur selten als belastend kennen gelernt, so lange gemeinsame Ziele und Grundlagen klar waren. Diese Erfahrungen möchte ich gerne auch in die Politik einbringen.

Das klingt spannend und wäre in der Tat ein Gewinn und eine Weiterentwicklung der Bremer Politik. Zum Abschluss würden wir Dich gerne auch privat besser kennen lernen. Was ist Dir privat wichtig?

An erster Stelle steht meine Familie. Da ich doch recht viel außerhalb von Bremen geschäftlich aktiv bin, verbringe ich meine Freizeit vor allem mit meiner Ehefrau und meinen beiden Töchtern, gerne auch mit befreundeten Familien. Zudem bin ich begeisterter Sportler. Regelmäßiges Laufen und Rennradfahren brauche ich als Ausgleich in meinem doch sehr gefüllten Alltag. Und im Urlaub bin ich begeisterter Alpinist: Skifahren, Skitouren gehen, Bergwandern, das liebe ich. Zudem, das mag populistisch klingen, ist aber einfach so, schlägt mein Herz für einen grün-weißen Fußballverein. Und dann ist da noch die Politik. Mich mit Freunden zur Politik und zu gesellschaftlichen Herausforderungen auszutauschen ist immer sehr präsent. Und an dieser Stelle schließt sich der Kreis. Denn ich möchte nicht länger nur über Politik und darüber, was man in Bremen besser machen kann, reden, sondern meinen aktiven Beitrag dazu leisten. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn die Leserinnen und Leser dieses Interviews mir Ihr Vertrauen schenken und mir am 26. Mai ihre 5 Stimmen geben. Mein Motto: am 26.5. bitte 5 Stimmen für den CDU-Listenplatz 26. Oder kurz zusammengefasst: 26-5-5-26.

Danke für das Interview.

Ich danke ebenfalls.